Steinkauz

Der Steinkauz ist unter den kleinen Eulenarten Europas die bekannteste. Bei den alten Griechen galt er als der Vogel der Weisheit und als Sinnbild der Göttin Athene, was auch in seinem wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck kommt. Er ist einer der entzückendsten Käuze - vor allem wegen seines drolligen Verhaltens. Wenn er mit seinen schwefelgelben Augen neugierig aus seiner Schlafhöhle lugt oder, wenn er seine Erregung durch lebhaftes Rufen und ein sehr charakteristisches Knicksen ausdrückt, so wirkt er wie ein kleiner Kobold. Angesichts der Nahrungs- und Brut habitatsansprüche kann der Steinkauz als ausgesprochener Kulturfolger in unserer Landschaft bezeichnet werden.
Status: Jahresvogel; alljährlicher Brutvogel im Kreis
Coesfeld

Kennzeichen:

 

Größe: knapp 22 cm;
Flügellänge:
Männchen = 152 bis 169 mm;
Weibchen = 156 bis 177 mm.
Spannweite: 55 bis 60 Gewicht: 155 bis 200 g.

Stimme: Die Balzrufe des Männchen sind zuweilen schon im Winter, hauptsächlich im März/April zu hören, vor allem in der Abenddämmerung. Sie bestehen aus einem weichen, langgezogenen "guhk". Der Warn- und Erregungsruf ist bei beiden Geschlechtern ein grelles, durchdringendes "kwiu", daneben eine Folge von bellenden "kiff"- oder "käff"- und kurzen "kuitt"-Rufen.
Allgemeine Verbreitung: Der Steinkauz ist in Westeuropa und in den Ländern um das Mittelmeer quer durch Eurasien bis nach Nordchina und in der Mandschurei verbreitet. Es gibt insgesamt 11 Rassen in der paläarktischen Region.
Brutvorkommen und Rassengliederung in Europa: In Mittel-, Süd- und Osteuropa - bis Russland (europäischer Teil) - ist der Steinkauz vertreten. Doch meidet er schneereiche Höhenlagen und waldreiche Landschaften.
Verbreitung in Deutschland: Bei uns ist der Steinkauz ein ziemlich lückenhaft verbreiteter Brutvogel, der in vielen Gegenden recht selten ist oder völlig fehlt. Sein Bestand hat in den letzten Jahrzehnten allgemein und überall erheblich abgenommen.
Lebensraum: Der Steinkauz liebt möglichst offenes und ebenes Gelände. Er lebt deshalb bei uns in der Kulturlandschaft, auf Äckern und Wiesen mit einzelnen Baumgruppen oder -reihen. Besonders ist er dort zu finden, wo alte Obstbäume auf Feldern, in Dorfgärten oder an Landstraßen stehen oder wo hohle Kopfweiden einen Bachlauf säumen. Geschlossenen Wald meidet er völlig.
Siedlungsdichte und Reviergröße: Die Siedlungsdichte hängt weitgehend vom Vorhandensein geeigneter Höhlen wie auch vom winterlichen Klima ab. Im allgemeinen kann man bei entsprechendem Angebot an Brutplätzen mit 1 bis 3 Paaren pro qkm rechnen. Das Jagdrevier eines Paares ist stets ziemilch klein, nur etwa einen halben qkm groß.
Jagdweise und Ernährung: Der Steinkauz ist hauptsächlich am frühen Morgen und am Abend aktiv, mitunter auch am Tage. Er jagt stets nur in freiem Gelände, meist von niedrigem Ansitz aus oder auch zu Fuß. Während der warmen Jahreszeit besteht seine Beute - rein zahlenmäßig - zu etwa drei Viertel oder noch mehr aus Insekten - vor allem Laufkäfer, Mistkäfer oder Ohrwürmer, nicht selten auch Raupen und Tausendfüßler - und aus Regenwürmern. Unter nachgewiesenen Wirbeltieren entfallen 73 % auf Feldmäuse, 13 % auf echte Mäuse, knapp 3 % auf Spitzmäuse. Täglicher Nahrungsbedarf: etwa 65 g.
Gewölle: An den Plätzen der Tagesruhe und der Brut findet man die Gewölle des Steinkauzes mit den unverdaulichen Resten der Beutetiere. Es sind rundliche, verfilzte Ballen, die nach Abschluss der Magenverdauung - etliche Stunden nach dem Fressen - durch den Schnabel ausgewürgt werden. In der warmen Jahreszeit besteht ein Gewölle aus vielen Chitinteilen von Käfern. Die Gewölle sind ziemlich schlank und oft langgestreckt, in der Länge 2 bis 5 cm, in der Dicke etwa 1,5 cm.
Fortpflanzung: Die Partner eines Paares leben wahrscheinlich in Dauerehe und halten auch außerhalb der Fortpflanzungszeit zusammen. Im März und April finden täglich schon am Nachmittag Begattungen statt. Legebeginn: Zwischen Mitte April und Mitte Mai. Normalerweise jährlich nur eine Brut. Gelegegröße: Meist 3 bis 5, seltener 6 oder gar 7 Eier. Legeabstand: 1-2 Tage. Brutbeginn: bei Ablage des 1. oder 2. Eies. Brutdauer: 23-35 Tage, im Mittel 27-28 Tage.
Wanderungen: Im allgemeinen ist der Steinkauz Standvogel und bleibt zeitlebens am erwählten Brutplatz. Nur die selbstständig gewordenen Jungvögel streichen etwas umher, in der Regel nur bis zu 10 km vom Geburtsort entfernt, selten weiter.
Höchstalter: Fast 16 Jahre im Freiland, und 18 Jahre in der Voliere. Sterblichkeit: Im 1. Lebensjahr im Mittel etwa 65 %, in späteren Lebensjahren im Mittel etwa 30 %.

13.01.2011