Laos/Kambodscha-Reise mit Djoser

vom 5.1.-28.1.2006 von Hermann Holler

Im Mai/Juni 1993 war ich im Auftrag der UNO zu den Wahlen in Kambodscha in Phnom Penh. Das Betreten von Angkor war jedoch damals nicht möglich, weil die Roten Khmer sich dorthin zurückgezogen hatten und der Angkor-Bezirk teilweise vermint war. Das Interesse wuchs jedoch mit jedem Bericht und der Wunsch, Angkor zu besuchen, wurde mit der Zeit unabänderlich. Nach und nach konnten erste Besuchergruppen über Bangkok und Siem Reap die Tempel wieder besuchen. Diese Art des Besuchs gefiel mir jedoch nicht. Ich suchte einen Weg, die Region über Land und Wasser zu „erfahren“ – möglichst als Individualreise.

Konnte ich diese Strapaze aber auch Monika zumuten? Straßen waren fast nicht befahrbar und Teile Kambodschas waren nach wie vor vermint. Auf einer Individualreise 1994 nach Vietnam sammelten wir erste Indochina-Kenntnisse.

Im Jahre 2000 waren wir in Thailand und hatten Urlaubszeit in Reserve für einen Besuch von Angkor eingeplant. Eine Schweizerin, die zuvor in Kambodscha war, lernten wir in Bangkok kennen. Sie riet uns aber dringend von einem Überlandbesuch Kambodschas ab, da die Straßen teilweise unbefahrbar waren. Wir verzichteten auf einen Angkor-Besuch. Mit der Zeit hörten wir, daß sich die Lage in Kambodscha zunehmend besserte. Ein Besuch Angkors per Flug über Bangkok/Siem Reap wurde von fast allen Reiseveranstaltern angeboten. Dies wollten wir aber nicht. Djoser bot eine Gruppenreise über Land nach Laos und Kambodscha mit kleiner Gruppe und Individualcharakter an. Nun ging es an die Planung.

Monika war immer noch zögerlich und vermutete, daß die Reise eine Enttäuschung werden könnte, weil mittlerweile meine Erwartungen sehr hoch waren. Sie stimmte aber der Reise zu.

Los gehts!!

Am 5.1.2006 starteten wir über Frankfurt mit der Quatar-Airlines über Doha/Quatar nach Bangkok und übernachteten dort.

Am 7.1.2006 ging es mit Bangkok-Airlines weiter nach Luang Prabang/Laos der alten Königsstadt, die durch ihre vielen alten Tempel zum Weltkulturerbe der UNESCO erhoben wurde. 3 Übernachtungen in der kleinen Stadt (eine der schönsten Städte Asiens) gaben reichlich Gelegenheit Tempel und Märkte zu besuchen und sich auf Laos einzustimmen. Schnell wurde klar, dass Laos eines der ärmsten Länder der Welt ist und den Begriff „Entwicklungsland“ wahrlich verdient. Erst vor kurzer Zeit wurde das einst verschlossene Land für den Tourismus geöffnet. Überall war die Armut und der Mangel sichtbar. Nur an Tempeln und Mönchen war kein Mangel. Die fehlende Infrastruktur und der Gleichmut der Laoten (sie wirkten manchmal apathisch) musste durch eigenen „Nachdruck“ ausgeglichen werden. Schon die Franzosen (Kolonialherren bis ca. 1950) sagten über die Laoten: Ihre Tätigkeit besteht darin, dem Reis beim Wachsen zuzuhören. Bei einem längeren Bootsausflug auf dem Mekong wurden die heiligen Grotten von Pak Ou und Einheimischendörfer besucht. Auffallend war, daß es am Mekong keine Vögel gab. Das kann daran liegen, daß die Laoten Vögel verspeisen. Der Mekong hatte zur Trockenzeit Niedrigwasser. Es war sommerlich warm.

Am 10.1. 2006 fuhren wir mit dem Bus über die Dörfer im Hochland nach Vang Vieng in einer schönen Flußlandschaft. Hier trieben sich viele Aussteiger aus Europa/Amerika/Australien herum. Viele „jumpten“ hierher, um Boot zu fahren oder sich auf Gummireifen den Fluß hinunter treiben zu lassen. Vielleicht lockte auch der Opium-Konsum. Hier wurde in einem einfachen Gästehaus übernachtet.

Am 11.01.2006 Weiterfahrt am Mekong entlang nach Vientiane (Hauptstadt von Laos). Vientiane ist eine „Retortenstadt“ mit breiten Alleen, aber wenig Flair und hat nur ca. 300 000 Einwohner. 2 Übernachtungen in einem ordentlichen Hotel gaben Gelegenheit die Stadt mit ihrem doch schon üppigen Verkehr zu erkunden. Bei einem Besuch einer Nationaltanzveranstaltung im besten Hotel von Laos (neben dem Räsidentenpalast) waren wir beide die einzigen Europäer unter Asiaten (Japaner und Thailänder). Ein komisches Gefühl. Laos ist ungefähr so groß wie die alte BRD und hat nur ca. 6 Millionen Einwohner.

Am Freitag,13.1.2006, fuhren wir mit einem museumsreifen Omnibus entlang des Mekong in Richtung Savannaket. Unterwegs besuchten wir mehrere Dörfer. Ca. 150 km vor unserem Tagesziel Savannaket blieb unser Bus mitten in der Wildnis stehen. Nach ca. 2 Stunden hatte unser einheimischer Reiseführer im nächsten Dorf 2 Pickups (kleine LKW mit offener Ladepritsche) organisiert. Mit diesen fuhren wir nach Savannaket. Es hat trotzdem Spaß gemacht.Übernachtung in Savannaket.

Am 14.1.2006 Besuch des alten Khmer-Heiligtums Wat Phou (ca. 7. Jahrh. - sehenswert) auf der anderen Flußseite mit Fahrt in Pickup und Fährüberfahrten. Anschließend Fahrt nach Kong Island (Insel im Mekong mit 8 x 15 km Ausdehnung). Hier ist der Mekong 14 km breit – ein gigantischer Fluß. In Laos fuhren wir ca. 1500 km entlang des Mekong. Interessante Fährüberfahrt über den Mekong und 2 Übernachtungen auf Kong Island.

Am 16.01.2006 Weiterfahrt und Besichtigung der imposanten Mekong-Fälle kurz vor der Grenze zu Kambodscha. Grenzübertritt nach Kambodscha! Zuvor waren heiße Diskussionen unter den Reiseteilnehmern ausgebrochen, weil wir erfuhren, dass die ersten 60 km in Kambodscha bis Stung Treng mit einem Speedboot zurückgelegt werden mußten, weil es keine Straßenverbindung gibt. Einige der 20 Teilnehmer wollten diesen verwegenen Bootstrip verweigern. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Man beruhigte uns, daß das Boot „nur gemäßigte 60 km/h“ im Gegensatz zu anderen mit 80 – 100 km/h lief. Der abenteuerliche Grenzübertritt ist aber eine detaillierte Schilderung wert: Zuerst Zufahrt mit laotischem Bus zum Grenzbüro von Laos am Mekong. Erledigung der laotischen Grenzformalitäten (Bestechung der Grenzer, Stempel in Pässe, Ausladen des Gepäcks). Transport des Gepäcks zu Fuß über unwegsames sandiges Flußufer zu kleinen Booten im Mekong. Übersetzen mit den Booten zu einer Insel im Mekong, auf dem sich das kambodschianische Grenzbüro befand. Da es auf den ersten 60 km in Kambodscha bis Stung Treng keine Straßenverbindung gibt, wurde das Gepäck auf die 5 georderten Speedboote am Ufer der Insel umgeladen. Erklettern der Insel (Steilufer im Sand) ohne Treppe!! teilweise auf allen Vieren zum Grenzbüro zur Erledigung der Grenzformalitäten (Ausfüllen von Formularen, Stempel in Pässe mit Visum, Bestechung der Grenzer ). Es bestand Fotografierverbot (Kambodscha möchte sich nicht blamieren). Anschließend wieder abenteuerlicher Abstieg am sandigen Steilufer zu den Speedbooten. Verstauung von jeweils 4 Personen hart über der Wasseroberfläche auf den Speedbooten. Angst war unser Begleiter. Ab gings donnernd mit Getöse über 1 Stunde den Mekong hinunter. Spritzwasser kam ins Boot. Es war vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt auf dem Rummelplatz. Erleichtert kamen wir in Stung Treng an. Alle Teilnehmer (sehr reiseerfahren) waren sich einig, dass sie noch nie einen solch kriminellen Grenzübertritt erlebt hatten. In Stung Treng wartete unser kambodschanischer Bus. Verladen des Gepäcks und Weiterfahrt nach Kratie. Unterwegs Beobachtung von Süßwasser-Delphinen im Mekong. Übernachtung in Kratie.

Am 17.01.2006 Weiterfahrt nach Kompong Thom im Herzen Kambodschas. Übernachtung in Kompong Thom. Es wurde immer heißer. Im Tiefland von Kambodscha stiegen in der kühlen Trockenzeit die Temperaturen mindestens auf 35 Grad. Auf der gesamten Reise hatten wir nur Sonnenschein. Morgens waren wir schon schweißgebadet. Nachts konnte man teilweise nur mit eingeschalteter Klimaanlage schlafen.

Am 18.01.2006 ging es weiter nach Siem Reap bei Angkor – dem Hauptziel unserer Reise. Unterwegs in den Dörfern sahen wir unvorstellbare Armut und Elend, aber quirlige und freundliche Menschen mit vielen, vielen Kindern. Auch ein Besuch in einer Dorfschule wurde absolviert. 12 Kinder pro Familie sind Normalität. Durch diesen Kinderreichtum müssen die Kinder in Schichten unterrichtet werden. Durch den Kinderreichtum ist Kambodschas Einwohnerzahl nach dem Holocaust der Roten Khmer (sie hatten von 1975 bis 1979 ca.2 Millionen bestialisch ermordet) von 6 Millionen auf 12 Millionen Einwohner angewachsen. Die Roten Khmer hatten während des Bürgerkrieges (auch nach ihrer Entmachtung) und ihrem Rückzug in den Norden Kambodschas das Land mit Millionen von Minen bestückt. Es liegen auch heute noch Millionen von Minen auf dem Lande, so daß Teile des Landes landwirtschaftlich nicht genutzt werden können. Die Minenräumung kommt nur zögerlich voran, so daß es noch Jahrzehnte dauern wird bis das Land minenfrei ist. Dadurch leidet das Land an Hunger und chronischer Unterernährung. Der Fernsehkommentator Manfred Rohde schreibt in einem Buch 1999, dass täglich noch einige Kambodschaner von explodierenden Minen verletzt oder getötet werden. Überall sieht man verstümmelte Krüppel ohne Gliedmaßen – man ist sehr betroffen und kann oftmals nicht mehr hinschauen. Diese bedauernswerten Menschen haben kaum staatliche Hilfe und sind auf das Betteln angewiesen. Aber wer will in einem der ärmsten Länder der Welt diese Menschen unterstützen. Wieder einmal konnten wir feststellen, daß wir Europäer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Nun ist es an der Zeit, etwas über die Landesnatur und die Hochkultur der Khmer zur Angkor-Zeit auszusagen: Das Tiefland von Kambodscha hat zwei Jahreszeiten, die Regenzeit von Mai bis Oktober (Monsunregen) und die Trockenzeit. Während der Regenzeit steht ein Drittel des Landes (Kambodscha ist doppelt so groß wie Österreich) unter Wasser. Der mächtige Mekong (die Lebensader Südostasiens) steigt in der Regenzeit bis 18 m an und drückt sein Wasser bei Phnom Penh in seinen Nebenfluß Tonle Sap River. Dieser Fluß fließt dann rückwärts (einmalig in der Welt) in den großen See Tonle Sap (größter See Südostasiens). Der See ist in der Trockenzeit ca. 5 mal so groß wie der Bodensee. Er vergrößert sich in der Regenzeit je nach Stärke des Regens bis zum Dreifachen. Dieser Tidenhub bedeutet, dass die meisten Häuser Kambodschas auf Pfählen stehen und viele Kambodschaner ganzjährig auf Booten leben. Durch den Fischreichtum des Tonle Sap Sees gibt es auf dem See eine Menge schwimmender Dörfer (Floating Village). Diese Besonderheit nutzten die Khmer zur Wasserregulierung und bauten in Angkor ein riesiges Wasserregulierungssystem auf (das größte der Welt). Mit dieser Wasserregulierung war es möglich den Wasserhaushalt über das Jahr zu verteilen und somit bis zu 3 Reisernten im Jahr zu erzielen. Nur aus diesem Umstand war es möglich, die Hochkultur von Angkor zu entwickeln. Die Khmer waren damit reich und konnten ihre Nachbarvölker unterwerfen. Sie waren von ca. 800 bis 1300 nach Chr. das mächtigste Volk in Südostasien. Aus Verehrung für den Gottkönig Vishnu und aus Ehrfurcht vor den Wassergöttern entstanden die unzähligen Tempel im Angkor-Bezirk. Das Meisterwerk Angkor Wat war nach ihrer Auffassung der Götterberg Meru. Der Angkor-Bezirk war bis zu seiner Wiederentdeckung kurz vor 1900 von Urwald überwuchert und wurde danach als Weltsensation gefeiert. Diese Anlagen stehen den Kulturen in Ägypten, Mexiko, Rom und Griechenland in Nichts nach. Besonders beeindruckend sind die gigantischen Ausmaße und die guterhaltenen Reliefs (in Angkor Wat gibt es 800 m Reliefwände mit Darstellungen des Alltags- das ist mehr als der Karnak-Tempel in Ägypten zu bieten hat). In Siem Reap (4 Übernachtungen) boomt der Welttourismus. Hier wird viel gebaut – es entstehen modernste Hotels. Hier bezieht Kambodscha sein Haupteinkommen über die Besucher von Angkor. Natürlich sind hier die Preise wesentlich höher als im übrigen Land. In einer eintägigen gemeinsamen Busrundfahrt konnten wir uns über den Angkor-Bezirk orientieren und die 3 Hauptsehenswürdigkeiten Angkor Thom mit Bayon, Ta Prohm und Angkor Wat besuchen. An den anderen Tagen konnten wir allein mit einer Moped- Rikscha den Angkor-Bezirk erkunden. Diese beschaulichen Besuche waren der Höhepunkt unserer Reise. Natürlich konnten nicht alle Tempel-Bezirke besucht werden. Der Angkor-Bezirk hat eine Ausdehnung von 20 x 20 km.

Am 22.01.2006 fuhren wir mit einem Express-Boot auf dem Tonle Sap (See und Fluß) in 6 Stunden nach Phnom Penh und dann mit dem Bus in den einzigen Badeort Kambodschas nach Sihanoukville. 3 Nächte konnten wir uns in einem neuen Hotel mit Pool von den Strapazen der Reise erholen. Sihanoukville besitzt einen schönen Badestrand, aber kaum Infrastruktur. Durch die Nähe zu Thailand mit seinen guten Bedingungen wird Sihanoukville kaum Massentourismus anlocken.

Am 25.01.2006 fuhren wir in die Hauptstadt Phnom Penh. Bei 2 Übernachtungen hatten wir Gelegenheit, die quirlige lebendige Stadt zu erleben und das Holocaust-Museum Tuol Sleng (bedrückend), das National-Museum und den Königspalast mit der Silberpagode zu besuchen. Seit 1993 hat der Verkehr rapide zugenommen und viele Neubauten sind entstanden. Mittlerweile hat die Stadt wieder ca. 1,5 Millionen Einwohner. Auf Schritt und Tritt kann man Kurioses entdecken. Abgefüllt mit beeindruckenden Erlebnissen traten wir am 27.01.2006 über Bangkok und Doha wieder die Heimreise an. Es war kein Erholungsurlaub, aber eine Bereicherung unseres Lebens. Die Strapazen waren erträglich.

Monika hat sich prächtig geschlagen und hat diesen Urlaub auch genossen. Angkor war viel gewaltiger als wir beide erwartet hatten.

Hermann Holler

Monika KLUGE
Hermann HOLLER
Heuweg 20

71634 Ludwigsburg
Tel. 07141/374552


>zum Seitenanfang <

> Vorschau <

letzte Änderung: 07.02.2006