K ö s z ö n ö m M a g y a r o r s z á g ! von Jutta Graser

Danke Ungarn! Eine Gruppe von 33 Menschen der „Klingenden Brücke“ unternahm vom 2. bis 16. Oktober diesen Jahres eine musikalische Reise durch Zentralungarn und das südliche Transdanubien. In unserem Gepäck hatten wir Lieder in Ungarisch und Deutsch sowie in 25 anderen Sprachen Europas und mehrere Instrumente. Die Reise begann – wie kann es anders auch sein – mit fröhlichem Singen und Musizieren im Gepäckwagen des Nachtzuges. Eine etwas unübliche Geburtstagsfeier! Nach wenigen Stunden Schlaf und Umsteigen in Wien kamen wir in Budapest an und genossen den ersten pálinka im Hotel Garden. Dieser Obstbranntwein aus Marillen, Aprikosen oder anderem Obst sollte uns noch während der ganzen Reise begleiten.

Nach einem Eingewöhnungsnachmittag fuhren wir am nächsten Morgen mit „unserem“ Bus nach Tapiószentmárton auf die Kincsem-Anlage. Wir sahen zum ersten Mal die schönen ungarischen Halbblutpferde um die Ziehbrunnen herum und auch die aus Serbien stammenden, kraushaarigen Wollschweine. Bei einer fröhlichen Kutschenfahrt bekamen wir eine Vorstellung von der Weite der Landschaft im zentralen Ungarn, der puszta, mit ihren spezifischen Pflanzen, den vielen Pferden und den Herden von Graurindern mit mächtigen Gabelhörnern und Zackelschafen mit langen gedrehten Hörnern. Mittags stärkten wir uns mit leckerem Graurind-gulyás. Es erwartete uns noch ein puszta -Museum, das sich vorwiegend dem Thema Pferde widmet. Kincsem ist der Name eines dunklen Pferdes von besonderem Wuchs, das in früheren Zeiten gelebt und einmalige Leistungen mit höchsten Auszeichnungen erbracht hatte.

Und wir machten unsere Erfahrungen mit den heilenden magnetischen Energiefeldern, die intensiv auf dem Attila-Hügel, aber auch im Restaurant und, wie wir erfuhren, an verschiedenen Stellen in Ungarn zu spüren sind. Entdeckt wurden die Energiefelder aufgrund der Beobachtung von Pferden, die die stark betroffenen Stellen als Lagerplatz bevorzugten. - Bereits Attila, der Anführer von türkstämmigen Reiternomaden aus Innerasien, der Hunnen, hat bis zu seinem Tod 453 n. Chr. diese Gegend durchstreift. - Auch die Weinproben (rot und weiß) mundeten sehr. Und nach einem musikalischen Abend mit einer jungen „Fünfkämpfergruppe“, die dort ihre Reitfähigkeiten verbesserte und uns als Dank am nächsten Morgen vorführte, schliefen wir gut in aneinandergereihten Häuschen auf der Anlage.

Am nächsten Tag erwartete uns die Stadt Kecskemét, die Geburtsstadt des Komponisten und Musikpädagogen Zoltán Kodály. Das Glockenspiel am Rathaus spielte uns zu Ehren, so schien es, „Kecskemét is kiállítja nyalka verbunkját“. Die Stadt, eine der interessantesten Städte Ungarns, besitzt besonders prächtige Bauwerke im ungarischen Jugendstil. Und hier gruppieren sich in seltener Eintracht die Gotteshäuser von fünf Konfessionen: der Katholiken, Reformierten, Evangelischen, Orthodoxen und Juden.

Wir durchstreiften die Stadt mit einem Führer, der sich in der Musikschule noch als Pianist präsentieren sollte, und auch allein. Mir hat es gut gefallen, wie die Männer im Park auf langen Steintischen Schach spielen. Andere stehen drumherum und kommentieren; so haben viele etwas davon. Und ich machte meine ersten Einkäufe an ungarischen Stickereiarbeiten und an Klaviernoten (Béla Bartók).

Schon am Nachmittag fuhren wir weiter zum Ort Tiszaalpár, der uns in kleinen Ferienhäusern drei Nächte beherbergte. Viel Freude machte uns am nächsten Tag der herzliche Empfang der Dorfsenioren, die auch für uns kochten. In einem großen Kessel im Freien köchelte schon am Vormittag das Fleisch für den gemeinsamen abendlichen gulyás. - Ich weiß nicht mehr, wie oft wir noch gulyás gegessen haben. Es ist erstaunlich, er schmeckt jedes Mal anders und immer sehr lecker. Die Fleischzusammensetzung (Rind, Schwein, …) und die Gewürze sind immer wieder neu.

Der zunächst unscheinbar wirkende Ort bot uns Überraschungen. Ein Dorf der Árpáden aus der Zeit um 900 n. Chr. ist rekonstruiert und als Freilichtmuseum zu besichtigen. Durch das Begehen der strohbedeckten niedrigen Lehmhäuser und der Versammlungsstätten am Rande der schönen Flusslandschaft der Theiß konnten wir uns ein bisschen in die Lebensweise der damaligen Zeit versetzen. Ich hatte Derartiges noch nicht zuvor gesehen.

Besondere Freude machte das gemeinsame Singen und Musizieren. Und es gab einen festlichen Anlass: Der Chor des Ortes feierte mit uns seinen 20. Geburtstag. Dabei kam auch das Tanzen nicht zu kurz; ein csárdás- Lehrer brachte große Geduld mit uns auf. Zum Abschied erhielt jeder einen Briefständer aus Korb in Form einer Brücke (!) zur Erinnerung an die Korbflechter, die wir im Laufe des Tages aufgesucht hatten. Das Tagewerk eines Korbflechters erscheint mir sehr hart.

In der Bugac-puszta fuhren wir laut singend wieder in Pferdekutschen durch die ursprüngliche Landschaft, in der sich Weideland und Eichen- und Erlenwälder abwechseln, vorbei an den Tierherden, zu einem sehenswerten Hirtenmuseum. Hier werden vor allem das Leben der Hirten mit den Tieren, ihre Unterkünfte und Gebrauchsgegenstände gezeigt. Zum Mittagessen erwartete uns eine Zigeunerkapelle, mit der wir auch gemeinsam musizieren und singen konnten. Und während die Einen laut mit ungarischen Peitschen um die Wette knallten, sangen die Anderen „Megismerni a kanászt cifra járásáról“. Beides zusammen geht nicht!

Nachmittags suchten wir das Heilbad in Kishunmajsa auf, eines von sehr zahlreichen in Ungarn. Das Wasser kommt mit einer Temperatur von etwa 60 Grad aus der Erde und kühlt in mehreren Bassins ab. Es werden in Ungarn mehrere hundert unterirdische Heilseen vermutet. Ihr Wasser wirkt gut ein auf Knochen und Gelenke. - Darüber hinaus bot eine Grotte im Bad eine wunderbare Akustik für unseren Gesang.

Unser nächster Quartierwechsel brachte uns zu der Stadt Szeged in das Hotel eines Serben in Tápé. Ein serbisches Abschiedslied zum gegebenen Zeitpunkt war uns natürlich Ehrensache. Während meiner Stadtbesichtigung suchte ich eine Ausstellung alter Bücher und Dokumente in der Somogyi-Bibliothek auf. Und während ich noch mit Interesse die Werke besichtigte, nahm überraschend die Bibliotheksdirektorin Frau Dr. Erzsébet Szökefalvi-Nagy Kontakt mit mir auf. Sie zeigte mir in der wundervollen alten Bibliothek eines Obergeschosses jahrhundertealte Bücher und Schriften, darunter auch Noten. Und das Besondere war, dass ich diese Bücher selbst aus den Regalen nehmen und in ihnen blättern durfte. So erinnere ich mich genau an eine Luther-Bibel aus dem Jahr 1590 und an ein handgeschriebenes und -gemaltes Kräuterbüchlein aus dem Jahr 1492. Auch das intensive Gespräch (in Deutsch) mit dieser sympathischen Dame hat mich sehr beeindruckt. Ihre Einladung, am nächsten Tag (einem Sonntag!) mit der ganzen Gruppe zu ihr zu kommen, konnten wir aus Termingründen leider nicht annehmen. Ich habe sie zu mir nach Hause eingeladen und würde ihr sehr gerne einiges von unserem Land zeigen.

Beim Abendessen in einem typischen Fischrestaurant hatte eine Zigeunerkapelle diesmal keine Chance mit uns. Wir waren außer mit schmackhaftem Essen und köstlichem Wein damit beschäftigt, drei ungarische Lieder neu zu erlernen. Die Konservatoriumspädagogin und Chorleiterin Frau Erzsébet Molnár aus Szeged und ihre Familie musizierten mit uns. Es hat viel Freude gemacht.

In Üllés verspeisten wir mit Dorfbewohnern landestypische Produkte, die in einem großen Backofen im Freien frisch hergestellt wurden. Hier war auch ein kleines Dorfmuseum zu besichtigen. Die Bewohner sammeln alte Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände in diesen Räumen, anstatt sie wegzuwerfen. Und so fanden wir uns auf einmal in den Schulbänken einer alten Dorfschule mit vielen Büchern und Wandtafeln wieder. Nur als Lehrer stellte sich niemand zur Verfügung. Zurück im Freien konnten wir mit den Frauen und Kindern basteln. Und es waren auch wunderschöne Handarbeiten käuflich zu erwerben. Zu unserer Überraschung erhielt jeder von uns noch ein Stabpüppchen von den Bewohnern als Abschiedsgeschenk.

Das Tanzen und Singen erlebten wir hier in ganz besonders schöner Art. Begleitet von einer kleinen Musikergruppe gaben uns drei Ehepaare in unterschiedlichen regionalen Trachten eine hinreißende Tanzvorführung. Danach waren wir selbst zum csárdás in einem großen Reigen aufgefordert. Auch eine Kutschfahrt zu einem kleinen See und ein bográcsgulyás im Freien haben uns wieder gut gefallen. Kurz vor dem Aufbruch erlebten wir noch einmal Erzsébet mit ihrem Gesang. Und die beiden Söhne spielten auf landestypischen Instrumenten ungarische und serbische Volksweisen.

Die nächste weitere Busfahrt führte uns nach Transdanubien in die Stadt Bóly. Wir wurden in einem Altenheim herzlich empfangen und überwiegend auf Privatquartiere verteilt. Hier wohnen zahlreiche Nachkommen von im 18. Jahrhundert eingewanderten Donauschwaben, so dass Gespräche problemlos möglich waren. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Bewohner sich besonders freuten, einmal wieder Deutsche zu treffen. So sang uns eine Gruppe von Volksliedsängern ausschließlich deutsche Lieder vor, die ich zum Teil gar nicht kannte. - Umgekehrt habe ich einmal nach unserem Singen gehört, wir würden den Ungarn ihre Lieder lehren. Das kann aber nicht stimmen! - Natürlich haben auch wir nach dem Auftritt der ungarischen Sänger ein kleines Konzert gegeben.

Das Abendessen fand in einem so genannten Kellerhaus, einem Haus mit einem tiefen, unterirdisch weitreichenden Weinkeller, statt. Dabei spielte und sang eine serbische Zigeunerkapelle sehr rasante Rythmen. Sie musizieren im Gegensatz zu ungarischen Gruppen ohne cimbalom. Und für unsere Spezialisten war der umgearbeitete Kontrabass sehr interessant.

Vor dem Essen bestand die Möglichkeit, in der dichten Reihe der Kellerhäuser mehrere Weinkeller zu besichtigen und Weine zu probieren. Dabei erfuhr ich leider auch schreckliche Dinge. So ist es früher mehrmals vorgekommen, dass Männer, die Wein aus dem Keller holen wollten, nicht zurückgekommen sind. Sie sind an den Gasen des Gärprozesses erstickt. Und einmal ist ein Winzer in ein Rotweinfass abgerutscht; ein zweiter, der ihn retten wollte, ist ebenfalls gerutscht und war sofort tot. Der erste ist nach wochenlangem Koma gestorben.

In der Stadt wird ein Heim für geistig und/oder körperlich Schwerstbehinderte jeglichen Alters unterhalten. Noch nie zuvor habe ich eine derartige Freude über unser Singen erleben dürfen wie in diesem Heim. Die Menschen haben gelacht und ein bisschen getanzt, uns umarmt und kaum wieder losgelassen. Trotzdem war es schlimm, die Behinderungen schon derjenigen Menschen zu sehen, die bei unserem Auftritt mit Unterstützung des Pflegepersonals dabei sein konnten. Ganz schlimme Eindrücke allerdings haben sich uns unauslöschbar eingeprägt beim Rundgang mit der Heimleiterin durch die verschiedenen Räume des Hauses. Die Behinderungen der Menschen, die hier gepflegt werden, sind ganz, ganz schlimm und wirklich nicht zu beschreiben. Ich möchte dazu nichts Weiteres sagen. Höchstens soviel, dass wir den Eindruck gewonnen haben, dass die Pflege bestmöglich und liebevoll ausgeführt wird.

Dennoch haben wir am Abend das Dorffest mit etwa 50 geladenen Dorfbewohnern genossen. Es trat kurz eine traditionelle Tanzgruppe auf; ansonsten mussten wir uns auf moderne Tanzmusik einstellen. Da ich mich gleich mitten zwischen einheimische Damen gesetzt hatte, habe ich gute Gespräche führen können. Eine der Damen hat mich auch temperamentvoll auf der Tanzfläche herumgewirbelt. Das war nun wieder ein neues Erlebnis für mich, hat aber Spaß gemacht.

Und weiter ging es mit dem Bus nach Hosszúhetény. Dort waren wir mit dem Dirigenten, Ethnien- und Volksliedforscher Prof. Dr. Ferenc Várnai verabredet, der ein lehrreiches Referat über die Geschichte des Landes Ungarn und seiner Volksmusik und Volkslieder hielt. Das Interessante dabei waren auch seine Klangbeispiele von Tonbändern und die Liedbeiträge eines Mädchens, einer Schülerin von ihm. Die Ausführungen wurden sehr engagiert vorgetragen und waren äußerst aufschlussreich.

Wir haben uns ihm mit einem kleinen Konzert vorgestellt. Herr Dr. Várnai ist Ehrenmitglied der „Klingenden Brücke“ geworden. Unser erstes ungarisches!

Es erwartete uns ein umfangreiches Programm. Zunächst bot uns ein Museum Einblicke in das frühere Leben hier. Waren schon die Wohn- und Schlafräume mit den Holzmöbeln hübsch anzusehen, so waren doch die Küche und die Vorratsräume mit den verschiedenen Gerätschaften und den vielen getrockneten Würsten besonders anziehend. Später trat ein Chor von elf Mädchen mit sehr guten Stimmen auf. Dann sang ein gemischter Chor von zwölf Frauen und einigen Männern. Danach bot eine Tanzgruppe in sehr prächtigen Trachten aus dem Komitat Baranya eine wunderschöne Vorführung. Besonders aufgefallen sind mir die üppigen handgefertigten Stickereien an den Trachten. Und kurz spielte noch ein begabter junger Mann auf seiner Trompete.

Das Mittagessen hatten wir inzwischen in einer Schule eingenommen und dort auch Einblick erhalten in den Musikunterricht noch sehr kleiner Kinder.

In romantischer Umgebung, an einem See in Pécsvárad, nahmen wir an diesem Tag das Abendessen ein. Und bepackt mit einem Gläschen selbstgemachter Aprikosenmarmelade von Jutka, die auch das Hähnchen- pörkölt gekocht hatte, brachte uns der Bus zu dem hübschen Stadthotel Diana in der Stadt Pécs (Fünfkirchen). Die Stadt soll eine der schönsten und sehenswertesten Städte Ungarns sein. Tatsächlich staunte ich noch am Abend fast sprachlos ob soviel geballter Schönheit.

Zu einem ausführlichen Rundgang bot der nächste Vormittag Gelegenheit. Die Stadt verdankt ihren Namen fünf frühchristlichen Grabkapellen, über denen der herrliche Dom entstanden ist. Auch eine Synagoge und eine Moschee fallen auf; die Stadt besitzt die meisten türkischen Baudenkmäler Ungarns. Sie bietet ein sehr abwechslungsreiches Stadtbild mit südländischem Flair. Auf mich wartete dort noch eine umfangreiche und auch in vielfacher Hinsicht besondere Marionettenausstellung. Da waren nicht nur Puppen in gewohnter Weise zu betrachten, sondern sehr fantasievolle, künstlerische, aus zum Teil ganz einfachen Materialien hergestellte Tanzfiguren.

Schon nachmittags mussten wir aufbrechen in Richtung Budapest. Unterwegs fuhren wir an einem Paprikaanbaugebiet vorbei. In den Dörfern hängen die Hauswände voller Paprikaketten oder Paprikasäckchen zum Trocknen. Und vor vielen Häusern standen die Bauern mit ihren Verkaufsständen; sie freuten sich über einen Einkauf und einen kleinen Schwatz.

Und wir kamen noch in das Städtchen Kalocsa mit seinem innen und außen bunt bemalten Bahnhof sowie einem sehr schönen Dorfmuseum samt Verkaufsladen für Stickereien. Auch in dem Museum waren das Besondere die Wandmalereien und die Holzmalereien an den Möbeln sowie die Handarbeiten.

Der Ort ist bekannt für die so genannte Füllstickerei, bei der großflächige zumeist Blumenmuster so ausgearbeitet werden, dass die Handarbeiten beidseitig gleich aussehen. Auch werden Stoffdurchbrüche mit dünnem Zwirn zart und fein umrandet. Die Muster und die Technik des Stickens werden in den Familien weitergegeben. Die Handarbeiten sind sehr kostbar und gehören teilweise zur Erbmasse.

Vor der Ankunft im Hotel drehten wir in Budapest noch eine Busrunde an der Donau, um die beleuchteten Bauwerke zu bestaunen. Ein wirklich imposanter Eindruck!

Es folgte ein wohltuender freier Tag, den jeder auf seine Weise in der magyarischen Hauptstadt verbrachte. Budapest soll mit der Donau eine der schönsten Fluss-Stadt-Landschaften Europas bilden. Die königliche Burgstadt Buda auf einem Hügel an der Westseite des Flusses hat sich bis heute ihre mittelalterliche Struktur sowie gotische und barocke Baudenkmäler in malerischen, bisweilen verträumten Gassen bewahrt. Am Eingang zur großen Tiefebene entwickelte sich die Handelsstadt Pest zum Zentrum des ungarischen Geisteslebens und Großbürgertums. Prunkvolle Straßenzüge und weitläufige Plätze im Stile des Historismus sowie orginelle Bauten der Sezession und der Moderne geben davon Zeugnis. Óbuda an der Stelle der Römergründung vor 2000 Jahren hatte seinen kleinstädtisch-ländlichen Charakter verloren und gewinnt durch eine liebevolle Erneuerung historischer Viertel wieder viel von seinem Charme zurück.

Die drei zuvor selbständigen Städte Buda, Óbuda und Pest wurden 1872/73 vereint und unter dem Namen Budapest zur Hauptstadt des Königreichs Ungarn erklärt.

Ich brauche wohl nicht auszuführen, dass es ein sehr schöner und interessanter Abschlusstag war. Ich verbrachte auch etwas Zeit in den Markthallen, in die es mich immer wieder zieht, und traf nicht ganz überraschend noch andere aus unserer Gruppe bei einem guten Schmaus und mit vollen Einkaufstaschen.

Aber das Musizieren war noch lange nicht vorbei. Abends besuchte uns im Hotel die Musikerin Frau Ildikó Magdó aus Etyek mit sechs Jugendlichen. Sie sangen wunderschön und führten uns die für Ungarn typischen Musikinstrumente citera und tekerö vor. Die „Klingende Brücke“ kennt Ildikó schon länger; sie singt mit ihren Gruppen auch unsere Lieder. Und so hat dann das gemeinsame Singen besondere Freude gemacht. Wir konnten uns nur schwer voneinander trennen.

Nach dem Abendessen feierten wir einen Abschiedsabend mit verschiedenen eigenen Darbietungen und tauschten Adressen und Geschenke aus.

Am nächsten Tag begann die Heimreise und abends die nächtliche Zugfahrt. Ich bin, bereichert um einige Stickereien, eine Fellweste, viele CDs und die Bartók-Noten sowie sehr viele Fotos, gut und glücklich wieder zu Hause angekommen. Der größte Gewinn aber sind die schönen und tiefen Erlebnisse in diesem mir zuvor fremden Land. Die Herzlichkeit der Menschen, die Schönheit der Musik und die Romantik der Landschaft haben sich mir eingeprägt. Dazu kommen ganz unerwartete Erlebnisse wie z. B. die Bibliothek in Szeged.

Ich empfinde diese Reise wie ein Geschenk „unserer“ Magdi (Magdolna Antal) aus Dülmen und ihrer Freundin Eszter Párkányi aus Budapest. Sie haben die Reise sehr gut vorbereitet und uns als charmante Ungarinnen liebenswert durch ihre Heimat geleitet.

“Ej! Haj! Rica, ruca, kukorica derce!” Sok köszönet Eszter és Magdi!

Jutta Graser

Linz, den 27.November 2005.

Der Text mit zahlreichen Fotos ist hinterlegt unter >Homepage der "Klingende Brücke" < beim Link Ungarn-Reise . Es wurde auch ein Film gedreht.


Magdi AntalEszter Párkányi

 

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letzte Änderung: 23.02.2006